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Risikoausgleich 2020 in der Schweizer Krankenversicherung -Teil 2

Folgen für die Schweizer Krankenversicherer

In Teil 1 haben wir die neuen Mechanismen des Risikoausgleichs 2020 erläutert. Im zweiten Teil gehen wir der Frage nach, welche Folgen sich hierdurch für die Krankenversicherer abzeichnen und wie diese gezielt Chancen nutzen können.

Neue Möglichkeiten für Versicherer

Der Risikoausgleich 2020 wird dazu führen, dass bisher nicht erfasste Risiken differenzierter ausgeglichen werden. Darunter fallen die Risiken der chronischen Erkrankungen, welche vorwiegend Leistungskosten im ambulanten Bereich verursachen. Versicherer, die überdurchschnittlich viele dieser Risiken im Bestand verzeichnen, werden wohl von der Revision maßgeblich profitieren. Im Umkehrschluss müssen Versicherer mit einem unterdurchschnittlichen Anteil chronisch Kranker gemäß PCG mit höheren Abgaben an den Risikoausgleich rechnen. Betrachten wir einen einzelnen, chronisch kranken Versicherten im Bestand, so kann aus diesem bisher «schlechten» Risiko ein «gutes» werden, da es durch den Risikoausgleich erfasst und ausgeglichen wird. Es liegt auf der Hand, den Blick nun auf das Kostenmanagement dieser chronischen Erkrankungen zu richten. Gelingt dem Versicherer für PCG-Krankheitsbilder im Vergleich zum Wettbewerb ein besseres Kostenmanagement, so profitiert er umso mehr vom Risikoausgleich 2020. Versicherer können durch ein neu ausgerichtetes Underwriting und mit Innovationen auf Produkt- und Dienstleistungsseite im Zusatzversicherungsgeschäft, gemäß Versicherungsvertragsgesetz (VVG), eine höhere Versicherbarkeit sowie Kostenvorteile erzielen. Durch eine gesamtheitliche Risikobetrachtung über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) und das VVG hinweg kann die Abschlussquote erhöht werden. So wäre zum Beispiel denkbar, dass Kunden, die bisher aufgrund ihres Kostenrisikos in der OKP in VVG-Zusatzprodukten abgelehnt wurden, in bestimmten Fällen künftig aufgenommen werden können. Darüber hinaus wäre vorstellbar, für bestimmte PCGs spezielle VVG-Zusatzprodukte einzuführen. Diese könnten je nach Konstellation sogar für den Kunden verpflichtend sein, wenn er eine Zusatzversicherung abschließen möchte. Diese Zusatzprodukte würden dem Versicherten ein für sein Krankheitsbild ausgerichtetes Leistungspaket anbieten, z.B. ein schnellerer Zugang zu Fachspezialisten. Damit würde dem Versicherer ein Instrument zur Verfügung stehen, seine Versicherten effizient durch den Behandlungsweg über verschiedene Leistungserbringer hinweg zu begleiten und zu steuern. Durch besondere Kooperationen mit Leistungserbringern könnten außerdem vorteilhafte Konditionen ausgehandelt werden.

Chancen für Krankenversicherer

Fazit

Mit der Revision 2020 erfährt der Risikoausgleich eine notwendige Verfeinerung, um nicht gewollte Risikoselektionsanreize zu eliminieren. Die Kostenrisiken für chronische Erkrankungen werden mit dem neuen Mechanismus gezielt berücksichtigt und damit differenzierter ausgeglichen (vgl. hierzu Teil 1 unseres Artikels). Versicherer, die überdurchschnittlich viele chronisch Kranke im Bestand haben, werden von der Revision maßgeblich profitieren. Versicherer mit einem unterdurchschnittlichen Anteil an chronisch Kranken müssen damit rechnen, höhere Abgaben an den Risikoausgleich leisten zu müssen. In der Folge ist ein verstärkter Wettbewerb zu erwarten. Insbesondere in den vom Regulator anvisierten Bereichen, nämlich bei der Qualität der Versicherungsangebote und Dienstleistungen sowie der Kostenkontrolle, kann man damit rechnen.

Versicherer können dies gezielt nutzen, indem sie ihr Underwriting im VVG sowie ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot auf die neuen Rahmenbedingen ausrichten.


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