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Neue Datenquellen in der Lebensversicherung

Chancen und Grenzen durch Datenschutz sowie Antidiskriminierung

Die individuelle Risikobeurteilung ist in der Lebensversicherung von enormer Bedeutung. Fatale Fehleinschätzungen des Gesundheitszustands der zu versicherten Person können insbesondere zu Beginn der Vertragslaufzeit einen hohen Schaden verursachen.

Neue Technologien

Im Zuge der Digitalisierung und des technologischen Fortschritts stehen Erkenntnisse zur Verfügung, die den Risikoselektionsprozess für Versicherer verbessern können. So werden beispielsweise immer häufiger Fitness-Tracker verwendet, die wertvolle Gesundheits- und Fitnessdaten generieren. Für den Versicherer stellt sich nun die Frage: Wie gelange ich an diese Daten? Worüber bekomme ich neue Erkenntnisse? Wie kann ich mir diese Resultate zu Nutze machen? Dem gegenüber steht der Kunde, der wiederum einen Nutzen für sich sehen will, wenn er Details zu seinem Gesundheitsverhalten dem Versicherer preisgibt. Deshalb muss als allererstes der Kunde überzeugt werden. Doch wie erreicht man das? Welche Anreizsysteme können den Weg zu den Kundendaten ebnen? Eine vielversprechende Möglichkeit sind Rabatte, die beispielsweise auf Prämien erteilt werden können. Kunden, die unmittelbar von der Herausgabe ihrer Daten profitieren, sind eher bereit dem Versicherer Einsicht in ihre ganz persönlichen Daten zu geben.Eine Alternative ist eine langfristig ausgerichtete Strategie. Der Kunde wird durch Prämienvergünstigungen für einen gesunden Lebensstil belohnt. Der Versicherer kann in diesem Fall nicht nur einmalig, sondern fortlaufend auf die Gesundheitsdaten des Kunden zugreifen.

Doch nicht nur über die begeisterten Verwender von Fitness-Trackern gibt es wertvolle Daten, sondern auch anhand von Social Media Profilen lassen sich aufschlussreiche Erkenntnisse ermitteln. Welchen Hobbies gehen sie nach? Wohin reisen sie gern? Welche Interessen haben sie? Damit lassen sich nicht nur interessante Anknüpfungspunkte für Versicherungen aller Art finden, viel mehr wäre es auch zielführend, Korrelationen zwischen dem Sozialverhalten und den Einfluss auf die Gesundheit sowie die Lebenserwartung zu analysieren.

Eine weitere Möglichkeit ist das Heranziehen von Genanalysen. Damit könnte bei Verdacht auf eine Erbkrankheit das Ergebnis eines Gentests herangezogen werden und mit in die Risikobeurteilung einfließen. Darüber hinaus kann anhand eines Gentests die Anfälligkeit für Krebskrankheiten ermittelt werden. Genanalysen geben jedoch nicht nur Aufschluss über spezifische Krankheitsbilder und deren Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern könnten auch fundierte Beweise dafür liefern, welchen Einfluss Erkrankungen oder gewisse Lebensgewohnheiten wie beispielsweise das Rauchen auf die Lebenserwartung haben. Im Speziellen ist aus Sicht der Versicherer eine Kombination des Abschlusses einer Lebensversicherung und vereinbarten Präventionsmaßnahmen, die sich mittels einer Genanalyse ableiten lassen, denkbar.

Diskriminierung und gesetzliche Einschränkungen

Eine individuelle Risikoeinschätzung – insbesondere unter Berücksichtigung von Genanalysen – in der privaten Vorsorge geht jedoch immer mit der Frage der Diskriminierung einher. Dabei ist klar zu definieren, dass Diskriminierung im Kontext einer Lebensversicherung als Differenzierung im Sinne von versicherungsmathematischer Fairness zu verstehen ist. Insbesondere gilt es eine Quersubventionierung zwischen den Risikogruppen bei einer individuellen Lebensversicherung zu vermeiden, da diese nicht auf einem solidarischen Prinzip aufbaut. Nichtsdestotrotz gilt es das Anrecht auf Versicherungsschutz zu bewahren. Deshalb fordert der Gesetzgeber eine Begründung der Versicherer, weshalb die unterschiedlichen Tarifierungen zur Deckung verschiedener Risikoprofile gerechtfertigt sind. Insbesondere gelten bei der Verwendung von Genanalysen hohe regulatorische Beschränkungen und können vom Versicherer erst ab einer Risikosumme von CHF 400'000 zur Risikoeinschätzung in Betracht gezogen werden. Des Weiteren dürfen prädiktive Resultate eines Gentests aktuell nicht in die Risikobeurteilung einfließen.

Datenschutz und Informationsasymmetrie

Primär sieht der Gesetzgeber vor, die persönlichen Daten der Verbraucher zu schützen und ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren. Dies gilt besonders für Gentests. Der Versicherer darf den Antragssteller nicht zu solch einem Test auffordern, um das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu wahren. Anders ist die Situation zu beurteilen, wenn der Versicherungsnehmer freiwillig Gesundheits- und Fitnessdaten sammelt. Der Versicherungsnehmer kann sich dadurch einen bedeutenden Wissensvorsprung über seinen Gesundheitszustand verschaffen. Folglich kann diese Informationsasymmetrie unter Umständen zu einer negativen Risikoauslese führen.

Neben den Datenschutzbestimmungen sowie den regulatorischen Bestimmungen bleibt zukünftig vor allem abzuwarten, wie sich die Akzeptanz der Konsumenten zur Weitergabe von personenbezogenen Daten entwickelt. Davon wird maßgeblich die Verwendbarkeit solcher Datenquellen zur Risikobeurteilung abhängen.

Anja Friedrich
Senior Consultant
anja.friedrich@synpulse.com
 Anja Friedrich
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